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Quantenmystik gibt es bereits seit es die Quantentheorie gibt. Aber in jüngster Zeit erlebt sie wieder einen Boom. Erst recht, nachdem der Film "What the bleep do we know?" in den Kinos lief.
Da ich selbst meinen Evolutionären Idealismus teilweise ebenfalls auf Erkenntnissen der Quantentheorie aufbaue, möchte ich mich hier von der gängigen Quantenmystik abgrenzen um darzustellen, dass mein Ansatz ein anderer ist.
In einer Rezension zum Buch "Das bewusste Universum" heißt es zur Quantentheorie:
- Zitat:
- Wenn wir die Position eines Elektrons messen, breche seine Wahrscheinlichkeitswolke zusammen, so dass es an einer bestimmten Stelle vorhanden und nicht überall verwischt sei. Wollten wir seinen Flug beobachten, würden wir das Teilchen zunächst in einem winzigen Wellenpaket lokal eingeschlossen sehen. Nach der Beobachtung breite sich das Paket aus und repräsentiere die Wolke unserer ungenauen, unscharfen Kenntnis.
Nach einer erneuten Beobachtung machten wir das Paket wieder lokal fest. Es breite sich immer zwischen unseren einzelnen Beobachtungen aus, ähnlich wie ein Glühwürmchen. Man sehe ein Aufblitzen hier und ein Aufleuchten dort, aber wo sich das Würmchen zwischen den einzelnen Beobachtungen befinde, wisse man nicht. Wenn wir es nicht messen, breite es sich aus und sei gleichzeitig an mehr als einem Ort vorhanden, wie eine Welle oder Wolke. Jedes Mal, wenn wir uns beobachtend einschalteten, werde ein neuer Anfang gemacht. Die Welt sei hier auf der untersten Stufe kreativ. Jede Unterbrechung bringe neue Möglichkeiten mit sich. Die Welt werde nicht durch Anfangsbedingungen ein für allemal determiniert (festgelegt), sondern jeder Messvorgang sei ein potenziell kreativ wirkendes Ereignis und könne neue Möglichkeiten eröffnen. ... Durch die Quantentheorie würden nicht gerechtfertigte Annahmen des materialistischen Realismus widerlegt. Die Annahme einer starken Objektivität (außerhalb und unabhängig von uns existiert ein objektives materielles Universum) werde ersetzt durch die Erkenntnis, dass der subjektive Beobachter mit seinem Objekt unauflösbar verbunden sei. ... Der Epiphänomenalismus (geistige Phänomene sind nur Begleiterscheinungen der Materie) werde überwunden durch die Erkenntnis, dass bewusste Beobachtung eine Welle kollabieren lasse und damit ein Materieteilchen manifestiere.
Zitat Ende
Der erste Absatz ist völlig korrekt. Aber der zweite Absatz erzeugt ein falsches Bild der Quantenphysik und wird zum Stolperstein der Quantenmystiker ("Bleep" baute genau auf diesem Irrtum auf)
Die Quantenfunktion wird nicht (nur) durch den Akt der Beobachtung zum Kollaps gezwungen (und dadurch das Teilchen manifestiert). Das Subjekt eines Beobachters ist keine notwenidge Bedingung für den Kollaps. Das ist der entscheidende Irrtum der Quantenmystiker!!!
Eine Wahrscheinlichkeitswelle benötigt eine gewisse Phasenbeziehung all ihrer Komponenten. Sie bildet Interferenzmuster mit sich selbst. Dieses Interferenzmuster ist in der Wellengleichung nach Schrödinger dargestellt. Sichtbar wird es im Doppelspaltexperiment, das als Nachweis der Wellennatur von Photonen und Elektronen (und auch größerer Objekte wie etwa dem C60-Molekül) gilt. Das Interferenzmuster besteht aus unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten. Wird dieses Muster durch komplexe Wechselwirkungen gestört, verliert das System die Fähigkeit, diese Einzelwellen wieder zu entkoppeln (Dekohärenz). Wenn diese Phasenbeziehung verloren geht, reduziert die einzelne Welle ihren Informationsgehalt und verliert damit ihre Superposition. Das ist der Kollaps. Das Rätsel der Quantenphysik besteht nun darin, dass
- einerseits der Entscheidungsprozess unbekannt ist (wir wissen nicht, wieso manche Möglichkeiten zur Realität werden und andere nicht)
- und andererseits die Quantenwahrscheinlichkeit bis zum Kollaps einen sehr großen Raum einnehmen kann (durchaus Millionen von Lichtjahren), der Kollaps aber trotzdem die ganze Welle betrifft. Das heißt, dass der Kollaps mit einer überlichtschnellen Informationsübertragung verbunden ist. Das ist das Geheimnis der Nichtlokalität.
Für den Kollaps benötigt man aber keinen (menschlichen) Beobachter. Es genügt schon die Wechselwirkung mit dem komplexen Kontext des Quantensystems. Die Sache ist nur die, dass eine Messung auch so eine Wechselwirkung ist. Durch die Beobachtung des Menschen wird der Kollaps auch ausgelöst, aber nicht, weil er ein Beobachter ist.
Prinzipiell aber ist ein Quantensystem in einen derart komplexen Kontext eingebettet, dass diese permanenten Irritationen die Unschärfen statistisch ausmitteln und als Ergebnis erhalten wir die Welt der klassischen Physik, auch ohne menschliches Bewusstsein, das hinsieht.
Der Quantenmystiker meint dagegen, Gegenstände seien nicht da, so lange er nicht hinsieht.
Daher kommt auch Wilbers (gerechtfertigter) Vorwurf der Boomeritis gegenüber den Quantenmystikern. Sie schwingen sich zu Schöpfern des Kosmos hoch und befinden sich doch in der Situation des Narren, der meint , dass die Sonne erst dann aufgeht, wenn er die Augen öffnet.
Quantenmystiker meinen zwar, dass sie damit den universalen, schöpferischen GEIST beweisen, weil sie selbst als dieser GEIST die Welt mit ihrer Aufmerksamkeit erschaffen, aber die Sachlage stellt sich mir anders dar: Wir könnten gar keine Objekte im Außen erkennen (geschweige denn mit unserer Aufmerksamkeit erschaffen), wenn sich kein Teil des GEISTes zur Verfügung stellt, um dieses Objekt zu sein.
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Jedes Holon muss eine Innenperspektive haben, weil es sonst als Objekt gar nicht in mein Bewusstsein kommen könnte. Das ist nämlich der Knackpunkt an der Theorie der Quantenmystiker: In welcher Weise existieren unbelebte, bewusstlose Objekte im (universalen) GEIST, damit sie im (individuellen) Geist eines belebten Wesens in Erscheinung treten können, oder durch ihn erschaffen werden können?
Darauf kann es nur eine Antwort geben: Jedes Holon (nicht notwendig jedes Objekt - siehe den Unterschied zwischen Holone, Haufen und Artefakte) hat eine eigene Innenperspektive, ein rudimentäres Bewusstsein.
Machen wir einen kleinen Abstecher zum "Bewusstsein" der Atome. Atome sind als isolierte "Objekte" natürlich nur Wahrscheinlichkeitswellen, also real nicht vorhanden. Erst die Interaktion mit dem Kontext macht sie zu Objekten. Was aber ist als Interaktion zu werten?
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Eine Interaktion findet dann statt, wenn durch eine Berührung mit der Außenwelt im Atom selbst eine Veränderung stattfinden muss.
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Als Beispiel: wenn ein Elektron der Außenhülle des Atoms mit einem leeren Elektronenpotential in der Außenhülle eines anderen Atoms dergestalt kommuniziert, dass es zu einer molekularen Bindung kommt, hat eine Interaktion stattgefunden.
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Vergleichen wir das jetzt mit Bewusstsein so wie wir es kennen.
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Wie entsteht Bewusstsein? Auf einen sehr einfachen Nenner gebracht: Durch Interaktion mit der Außenwelt.
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Die Wahrnehmung der Außenwelt ist Voraussetzung für Bewusstsein des eigenen Seins.
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Wahrnehmung der Außenwelt ist aber nichts anderes als eine (von außen kommende) Stimulation zur Umstrukturierung der Innenwelt. Die Außenwelt wird über diese Strukturveränderung in der Innenwelt gespiegelt. Diese Spiegelung schließlich IST Bewusstsein.
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Wenn wir jetzt zum Atom zurückkehren können wir sagen, dass
- die Reaktion des Atoms auf seinen Kontext,
- das Bewusstsein des Atoms von diesem Kontext darstellt.
Das Atom könnte (Vorsicht: nur eine Metapher!) von sich sagen: "Ich habe eine Veränderung erfahren!" (Wobei das "ich" in diesem Satz nicht selbstreflektiv gemeint ist, sondern lediglich ein Identifikationsgleichnis für uns darstellt) Prinzipiell ist Wahrnehmung die Voraussetzung für das Entstehen von Geist. Die Wahrnehmung einer Außenwelt geschieht aber immer über eine innere Strukturveränderung.
Zurück zum Quantenkollaps
Der Quantenkollaps ist also tatsächlich mit Wahrnehmung und Bewusstsein verbunden, aber diese Wahrnehmung geschieht auf allen Integrationsebenen. Der Kollaps wird tatsächlich durch einen Beobachter verursacht, dieser Beobachter ist aber zwangsläufig das Subjekt des kollabierten Teilchens (in Interaktion mit dem/n Subjekt/en des Kontextes, der/die den Kollaps verursacht hat/haben)!
Und nur dadurch, dass GEIST auch in kleinsten (grundlegendsten) Holonen Wahrnehmungen erzeugt, können für Holone auf höheren Integrationsstufen überhaupt "unbelebte" Objekte vorhanden sein. Keinesfalls kann es so sein, dass wir ein Atom (als Objekt!) sehen und durch unser Bewusstsein, das Atom in Existenz bringen. Die Existenz der Objekte geschieht IMMER von Innen heraus.
GEIST wirkt durch die Objekte von INNEN nach AUSSEN - es ist ein Selbsterschaffungsprozess.
- Im Bezug auf den Kollaps eines Teilchen erzeugt durch eine Beobachtung durch uns bedeutet das: Wir induzieren durch unsere Beobachtung im beobachteten Teilchen eine Wahrnehmung der Welt. Das Teilchen nimmt die Welt in diesem Augeblick wahr und daher existiert es. Aber es existiert nicht durch UNSER Bewusstsein sondern durch sein eigenes.
Würden wir mit unserer Aufmerksamkeit die Objekte der Außenwelt erzeugen (manifestieren), wäre es nur ein subjektiver, individueller Traum des Geistes, der mit einem kollektiven Traum des GEISTes nichts zu tun hat. Nur weil JEDER Teil, der uns in dem Traum begegnet, eine eigene Innenperspektive hat, ist dieser Traum der Traum des GEISTes. Also war auch der Urknall real, als er geschah und nicht erst, als ein (selbst?)bewusstes Wesen (mit komplexen Sinnesapparat) entstand und den Urknall rückwirkend (über den angeblichen Mechanismus der verzögerten Entscheidung) zur Existenz brachte.-
- Im Film Bleep wird jedoch die Quantenmechanik so umgedeutet, als hätte jeder menschliche Beobachter die Macht (und daher auch die volle Verantwortung = Omnipotenzfantasie), die Welt allein durch sein Bewusstsein zu manifestieren. Das ist aber nichts als ein moderner Aberglaube.
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